• Startseite

Exkursion: Zu den „Blauen Fröschen“ der Stockerauer Au

Moorfrosch (Foto: Christoph Riegler)

Nur wenige Tage im zeitigen Frühjahr dauert die Laichzeit der heimischen Moorfrösche (Rana arvalis). Die männlichen Frösche finden sich dabei zu großen Gruppen zusammen und beeindrucken durch ihre bei Sonnenschein intensiv himmelblaue Färbung. 

Wie in den letzten Jahren führt uns Cornelia Gabler zu einer Moorfroschhochzeit in der Stockerauer Au. Ein Termin dafür steht naturgemäß noch nicht fest – das Ereignis richtet sich nach den Wettergegebenheiten. Etwa ab Mitte März ist das spektakuläre Geschehen zu erwarten, es sei denn der viele Schnee in den Bergen führt zu Überschwemmungen und unsere Expedition geht den Bach runter. 

Die Exkursion wird von der Arbeitsgruppe Amphibien organisiert. Die Anreise erfolgt mit Privat-PKWs. Begrenzte Teilnehmerzahl (ausschließlich ÖGH Mitglieder). Eine Anmeldung ist erforderlich und hier möglich.

Der Bergmolch - Lurch des Jahres - in Österreich

Der Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) ist eine zentraleuropäische Amphibienart, die mit verschiedenen Ausläufern, isolierten Populationen und aktuell sechs anerkannten Unterarten bis in die nördliche Bretagne, Nordspanien, die Karpaten, südwärts bis Mittel- und Süditalien sowie über den Balkan bis auf die Peloponnes in Griechenland vorstößt.

Bergmolch Ichthyosaura alpestris
In Österreich ist er die am weitesten verbreitete Schwanzlurchart Österreichs und kommt in allen Bundesländern vor. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im Hügelland und in den Gebirgen der westlichen bzw. zentralen Landesteile, während die Vorkommen Richtung Norden und vor allem Osten ausdünnen. In den Tieflagen im Osten Niederösterreichs, dem Nord- und Mittelburgenland fehlt die Art. Die östliche Verbreitungsgrenze verläuft durch die Stadt Wien bzw. das südliche Burgenland. Verbreitungslücken in Teilen von Ober- und Niederösterreich (Inn-, Mühl- und Waldviertel), oder den Zentralalpen lassen sich wohl vielfach durch Kartierungsdefizite erklären. Die Höhenverbreitung verläuft zwischen 200 m ü. NN in Wien und 2.380 m ü. NN am Reißeck in den Kärntner Zentralalpen. Bekannte große Einzelvorkommen mit mehreren Tausend adulten Individuen stammen durchwegs aus Seen und Feuchtgebieten in Seehöhen über 1.000 m ü. NN., wie etwa am Ameisensee, am Vorderschlumsee, oder im Weißpriachtal im Bundesland Salzburg.

Der typische Lebensraum des Bergmolches in Österreich besteht aus größtenteils lichten, gut strukturierten Laub- und Mischwäldern mit erhöhtem Totholzanteil, oder Komplexen aus Zwergstrauchheiden, Feuchtgebieten bzw. Mooren oberhalb der Waldgrenze. Wesentlich ist ein dichtes Gewässernetzwerk. Ein Schlüsselfaktor im Landlebensraum ist neben hoher Bodenfeuchte die Verfügbarkeit von reichlich Versteckplätzen in Form von liegendem Totholz oder Lückensystemen z.B. in überwuchertem Geröll. Sehr unterschiedliche Typen von Laichgewässer werden genutzt. Einerseits handelt es sich um kleinere, oft nur temporär Wasser führende Stillgewässer wie (Wagenspur-)Tümpel, Quellstaue, Stillbereiche von Entwässerungsgräben oder Pfützen. Andererseits werden, vor allem in höheren Lagen, auch größere Gewässer genutzt, sofern sie fischfrei sind und eine ausreichende Strukturierung aufweisen.

Bergmolch Ichthyosaura alpestris Habitat

Typische syntope Amphibienarten sind der Grasfrosch (Rana temporaria) – dessen Eier vor allem in Gebirgspopulationen eine überaus wichtige Nahrungsquelle für die Molche darstellen - und die Erdkröte (Bufo bufo), in mittleren Seehöhen auch die Gelbbauchunke (Bombina variegata) und der Feuersalamander (Salamandra salamandra). Umgekehrt sind im Verbreitungsgebiet in Laichgewässern von Kamm- (Triturus cristatus s.l.) und Teichmolchen (Lissotriton vulgaris) zumeist auch Bergmolche zu finden.

Bezüglich der Jahresaktivität sind in Österreich Nachweise von Adulttieren aus allen 12 Monaten dokumentiert. Die deutliche Mehrheit aller Beobachtungen fällt in den Zeitraum Ende März/Anfang April bis Mitte/Ende August und erstreckt sich somit über gut fünf Monate mit Schwerpunkt in der ersten Hälfte dieser Zeitspanne. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Tiere im oder am Laichgewässer. Nachweise von Larven sind von Mitte April bis Ende Oktober dokumentiert, mit Schwerpunkt zwischen Ende Juni und Anfang September. Im Toten Gebirge (Kalkalpen im Grenzgebiet von Oberösterreich und Steiermark) durchgeführte Studien zum Alter von Bergmolchen mittels Skeletochronologie bzw. Langzeitmarkierungen zeigten, dass die Geschlechtsreife erst mit rund 10 Jahren eintritt und ein Maximalalter von rund 30 Jahren erreicht werden kann.

Wie alle in Österreich beheimateten Amphibienarten gilt für Individuen bzw. Lebensräume des Bergmolches in allen neun Bundesländern ein strenger Schutz. In der nationalen Roten Liste wird die Art als "Gefährdung droht" ("near threatened") gelistet. Aussagen über die Bestandsentwicklung des Bergmolches sind allerdings kaum möglich, da entsprechende Monitoringprojekte fehlen. Die Gefährdungsfaktoren sind, auch aufgrund der weiten Verbreitung in verschiedenen Lebensraumtypen, mannigfaltig. Es handelt sich um den laufenden Verlust bzw. die Degradierung von Laichgewässer durch Verfüllung, Trockenlegung, Fischbesatz oder Eutrophierung (Gülle). Weiters die massive Nutzungsintensivierung in der Land- und Forstwirtschaft, inklusive des Einsatzes von Pestiziden und der verstärkten Nutzung von Flächen im Gewässerumfeld. Die laufende Lebensraumzerschneidung durch das wachsende (Forst-)Straßennetzwerk sowie die strukturelle „Ausräumung“ der Landschaft, führen wiederum zu immer weniger Wanderkorridoren bzw. Trittsteinen in Form von Wegrainen, Waldsäumen oder Ufergehölzen.

Broschüre

Flyer

Kinder-Broschüre

Poster

Fotos Christoph Riegler: Bergmolch Männchen, Habitat in den Hohen Tauern

ÖGH Jahrestagung 2019 Rückblick

Bereits im Vorfeld gab es erfreulicher Weise eine noch nie da gewesene Zahl von Anmeldungen. Das schaffte eine deutliche Erleichterung für die Organisatoren. Die diesjährige Tagung war zugleich eine Jubiläumstagung und mit einer Gesamt-Teilnehmerzahl von 165 Personen wieder sehr gut besucht. Um dem Jubiläum gerecht zu werden, wurde im Reptilien-Schausaal vor der in Neugestaltung befindlichen Anakonda-Vitrine auf das 30. Tagungs-Jubiläum mit Mojitos angestoßen.

Jahrestagung 2019 Gruppenbild (Foto: Ch. Riegler)


Erfreulich auch, dass wir bei der Tagung einige neue Mitglieder willkommen heißen konnten. Die erstmals angebotenen T-Shirts fanden guten Anklang und wurden fast alle verkauft. Schon am ersten Tagungstag, den Freitag fanden sich ungewöhnlich viel Teilnehmer ein, die Interesse an den feldherpetologischen Themen zeigten. In Summe sorgten 29 Vortragende für ein abwechslungsreiches und hoch geschätztes Programm.

Der Österreichische Forschungsfond für Herpetologie (ÖFFH), der Gelder vom Tiergarten Schönbrunn und ÖGH für Forschungsvorhaben zur Verfügung stellt, unterstützt diesmal Projekte von Sonia PÉREZ ARIAS und Camillo RODRIGUEZ.

Tagungsprogrogramm 2019

Programm ÖGH Tagung 2019 klein

 

Der ÖFFH 2019 - Begünstigte Projekte

Auch 2018 konnten Wissenschafter wieder um Gelder aus dem Österreichischen Forschungsfonds für Herpetologie ansuchen. Aus den gestellten Anträgen wurden von der Gutachterkommission zwei Begünstigte gewählt. Wir gratulieren den Fondsbegünstigten.

ÖFFH Preisträger 2019
vlnr: Doris Preininger, Thomas Wampula, Camilo Rodriguez, Andreas Maletzky, Sonia Pérez Arias und Walter Hödl (Foto: Jeff Schreiner)

Verhaltenssyndrome von Steroidhormonen: ein nicht-invasiver, endokrinologischer Zugang um Persönlichkeitsmerkmale bei Pfeilgiftfröschen zu bewerten

Behavioural syndromes of steroid hormones: a non-invasive endocrinological approach to assess animal personalities in poison frogs


Camilo Rodríguez1, Virginie Canoine2 & Walter Hödl3
1Department of Cognitive Biology, University of Vienna,
2Department of Behavioural Ecology, University of Vienna,
3Department of Integrative Zoology, University of Vienna,

Fördersumme: 3440 Euro

Foto Camilo Rodríguez Foto: Camilo Rodríguez

Abstract
In neotropical poison frogs (Dendrobatidae) the diversity of genotypic and phenotypic traits has favoured the evolution of behaviours which are uncommon among amphibians, such as multi-signal communication, territoriality, terrestrial breeding and parental care. Acoustic communication and territoriality have been studied broadly in territorial frogs, however intraindividual consistency in their calling behaviour in a territorial context via hormonal regulation is poorly understood. Here we propose that steroid hormones could modulate the acoustic and territorial behaviour, explaining personalities and behavioural syndromes in poison frogs. We aim to define behavioural syndromes in three species of poison frogs based on the correlation of acoustic and territorial traits modulated by testosterone and corticosterone. We will quantify males’ behavioural traits and, for the first time, steroid hormone concentration in poison frogs based on water-borne sampling methods, thus minimizing the impact of stress of the animals and providing insights for conservation.

Zusammenfassung
Die Vielfalt an geno- und phänotypischen Merkmalen bei neotropischen Pfeilgiftfröschen hat zur Evolution von Verhaltensweisen wie multimodale Kommunikation, Territorialität und elterliche Brutpflege geführt, die ansonsten untypisch für Amphibien sind. Obwohl das Zusammenspiel von akustischer Kommunikation und Territorialität exzessiv untersucht wurde, fehlen bis jetzt Studien, die den Kontext zwischen intraindividueller Konsistenz des Rufverhaltens und Hormonhaushalt herstellen. Wir stellen die Hypothese auf, dass die hormonelle Regulierung von akustischen und territorialen Verhaltensmustern der Ausprägung von Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltenssyndromen bei Pfeilgiftfröschen zugrunde liegt. Wir werden Verhaltenssyndrome definieren, die von Testosteron und Corticosteroiden reguliert und durch die Korrelation von akustischen und territorialen Verhaltensmustern gekennzeichnet sind. Wir werden hierfür das Verhalten männlicher Pfeilgiftfrösche von drei Arten videodokumentieren und hinsichtlich akustischer und verhaltensspezifischer Merkmale quantifizieren. Des Weiteren wird hierfür zum ersten Mal eine nicht-invasive Methode der Hormonbestimmung aus Wasser zur Anwendung kommen, welche die Auswirkungen von Stress auf die Versuchstiere minimiert und dadurch einen neuen Standard für hormonelle Verhaltensexperimente bei Pfeilgiftfröschen setzt.

 


 

Genetische Analyse der Feuersalamander (Salamandra salamandra) in Österreich

Genetic analysis of the fire salamander (Salamandra salamandra) in Austria

Sonia Pérez Arias1, Silke Schweiger2, Doris Preininger3 & Elisabeth Haring4
1Department of Integrative Zoology, University of Vienna
2Herpetological Collection, Museum of Natural History Vienna
3Vienna Zoo
4Central Research Laboratory, Museum of Natural History Vienna

Fördersumme: 1540 Euro

Photo D. Preininger Projekt PerezPhoto: Doris Preininger

Abstract
Biodiversity conservation is arguably one of the most pressing concerns of our time. We need to study genetic variability of species and populations to conserve biodiversity. Currently, thorough genetic analyses of the fire salamander (Salamandra salamandra) in Austria are still lacking. Our objective is to conduct mitochondrial DNA control region analysis and nuclear DNA analysis based on 11 microsatellite loci of 100 individuals sampled in 20 sites. Using genetic markers, we will measure genetic variation within and differentiation between populations north and south of the Austrian Alps. The aim of this study is to gain a better understanding of the phylogeography of this species and to lay the foundations for its protection.

Zusammenfassung
Der Erhalt der Biodiversität ist eines der drängendsten Anliegen unserer Zeit - auch für Herpetologen. Um die Biodiversität zu erhalten muss man auch die genetische Variabilität der Arten bzw. Populationen untersuchen. Bis heute fehlen genetische Untersuchungen des Feuersalamanders (Salamandra salamandra) in Österreich. Unser Ziel ist die Durchführung einer mitochondrialen DNA-Kontrollregionsanalyse und nuklearen DNA-Analysen auf der Basis von 11 Mikrosatelliten-Loci von 100 Individuen, die von 20 Fundorten stammen. Mit Hilfe der genetischen Marker sollen die Variabilität innerhalb und zwischen den Populationen nördlich und südlich des Alpenhauptkammes untersucht werden. Ziel dieser Untersuchung ist zum einen ein besseres Verständnis der Phylogeographie dieser Art zu erhalten und zum anderen Grundlagen zum Schutz dieser Art zu schaffen.

Gesamt ÖFFH-Fördersumme: 4.980 Euro

Kooperationspartner

Logo Zoo Wien

Projekte 2018

Ergänzende Kartierungen FFH-relevanter Herpetozoa der alpinen Zone in der Steiermark

ÖGH-Kennung: 2018a042P

ÖGH-Beteiligung: Projektträger

Zeitraum: 08.06.2018 bis 31.12.2020

Projektnehmer / ausführende Personen (p.t.): Werner Kammel

Im Rahmen eines vorbereitenden Projektes (2016 und 2017) wurden zum Monitoring wurden für FFH-relevante Amphibien- und Reptilienarten gemäß Art. 11 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) Untersuchungsstandorte der Steiermark beschrieben (KAMMEL 2017). Im Zuge dieses Projektes wurden auch maßgebliche Wissenslücken zu Vorkommen, Status und Verbreitung etlicher Arten festgestellt. Im vorliegenden Projekt werden innerhalb der alpinen Zone der Steiermark die bedeutsamsten Wissenslücken geschlossen. Bei den Zielarten handelt es sich um Herpetozoa, deren Verbreitungsschwerpunkt in der kontinentalen Zone liegen, die jedoch auch Vorkommen in Tallagen und im Hügel- und Bergland der alpinen Zone der Steiermark besitzen: Mauereidechse, Äskulapnatter, Zauneidechse, Springfrosch, Laubfrosch und Wasserfrosch-Komplex. Der derzeitige Wissensstand beschränkt sich auf historische Daten und wenige Einzelmeldungen seit dem Jahr 2000. Die projektierten Erhebungen konzentrieren sich auf die Regionen Östliches Ennstal / Gesäuse / Mariazeller Land, die Mur- / Mürzfurche sowie das Steirische Randgebirge (v. a. Grazer und Weizer Bergland, Naturpark Pöllauer Tal und angrenzende Bereiche).

Projektbezogene Publikationen: keine.

Publikationen

HZ Titelbild 31 1 2HERPETOZOA

Berichte der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie

Die allen Gebieten der Herpetologie gewidmete wissenschaftliche Fachzeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH) mit begutachteten (peer-reviewed) Beiträgen in deutscher und englischer Sprache (ISSN 1013-4425).

ISI Journal Citation Reports© Ranking: 2016: (72/162) (Zoology); Journal Impact Factor (2016): 1.194, indexiert in: Biological Abstracts; BIOSIS (Previews); Current Contents - Agricultural, Biological & Environmental Sciences; Science Citation Index (Expanded); Web of Science; Zoological Record (Plus). 

Inhalt von Herpetozoa


OEGH Aktuell 48 Oktober 2018ÖGH-Aktuell

Mitteilungen der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie

Die Informationszeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie berichtet über Veranstaltungen und Projekte der Gesellschaft und enthält die Berichte des Generalsekretärs und des Schatzmeisters sowie herpetologische Fachbeiträge in deutscher Sprache (P-ISSN 1605-9344, E-ISSN 1605-8208).
  • 1
  • 2