Der ÖFFH 2018 - Begünstigte Projekte

2017 konnten Wissenschafter zum zweiten mal um  Gelder aus dem Österreichischen Forschungsfonds für Herpetologie ansuchen. Aus den gestellten Anträgen wurden von der Gutachterkommission zwei Begünstigte gewählt. Wir gratulieren den Fondsbegünstigten Christian Beisser & Valentin Blüml zum einen, zum anderen Gerda Ludwig und freuen uns auf die Ergebnisse ihrer Forschung.

ÖFFH 2

Dorsal tongue morphology in Cuora - evolution under the pressure of physical constraints?
Dorsale Zungenmorphologie bei Cuora - Evolution unter dem Druck physischer Einschränkungen?

Dr. Christian Beisser & Valentin Blüml

Drei Arten der Gattung Cuora mit unterschiedlicher Lebensweise sollen hinsichtlich ihrer dorsalen Zungenmorphologie untersucht werden, und zwar die aquatische Art C. amboinensis, die semiaquatische Art C. galbinifrons, und die am meisten terrestrische Art C. mouhotii. Jede dieser Arten verwendet unterschiedliche Mechanismen, um Nahrung zu fangen bzw. aufzunehmen. Diese funktionellen Unterschiede spiegeln sich wider in der Morphologie des Nahrungsaufnahmeapparates, so etwa in der Zunge. Saugschnapper wie C. amboinensis haben eine tendenziell kleinere Zunge mit weniger Schleimdrüsen denn semiaquatische und terrestrische Arten, die Schleim brauchen, um die Haftung zwischen Nahrung und Zunge während der terrestrischen Nahrungsaufnahme zu ermöglichen. Mit Ausnahme von C. mouhotii, die derzeit hinsichtlich ihrer Nahrungsaufnahmemuster untersucht wird, existieren bereits Daten der beiden anderen Arten. MicroCT soll verwendet werden, um die dreidimensionale Struktur der Zungenpapillen und der Zungendrüsen darzustellen. Die Ergebnisse dieses Projektes, zusammen mit bereits vorhandenen Daten über Nahrungsaufnahmemechanismen sowie Histologie und Ultrastruktur des Zungenepithels, können Einblicke in die Evolution der Zungenoberfläche in nahe verwandten Schildkrötenarten liefern.

Fördersumme: 2280 Euro

 

Keeping an eye on Bsal-A monitoring program for Fire Salamanders (Salamandra salamandra) and Alpine Salamanders (Salamandra atra) in Tyrol, Austria
Bsal im Auge behalten – Monitoring Program für Feuersalamander (Salamandra salamandra) und Alpensalamander (Salamandra atra) in Tirol, Österreich

MMag. Gerda Ludwig, PhD

Der vermutlich aus Asien eingeschleppte, pathogene Amphibienpilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) stellt eine reale Gefahr für europäische Schwanzlurche dar. Im Nordwesten Europas sind seit der Entdeckung des Pilzes im Jahr 2013 starke lokale Populationsrückgänge für Feuersalamander dokumentiert worden. Wissenschafter aus mehreren europäischen Ländern arbeiten gemeinsam an der Erstellung eines Managementplans für Schwanzlurche in Europa. Dabei steht vorerst die genaue Erfassung des Ausbreitungsgebietes von Bsal sowie die rasche Erkennung neuer Ausbrüche im Zentrum. In Tirol findet seit 2016 ein jährliches Bsal-Screening in ausgewählten Feuersalamanderpopulationen statt. Dieses Screening soll auch im Jahr 2018 fortgesetzt und zusätzlich auf den in den Alpen endemischen Alpensalamander ausgeweitet werden. Die als nicht-invasiven Hautabstriche genommenen Proben dienen nicht nur für die Bsal Kontrolle, sondern werden auch für spätere populationsgenetische Untersuchungen konserviert. Im Falle einer weiteren Ausbreitung von Bsal könnten Informationen über genetische Variationen eine wichtige Grundlage für eventuelle Nachzuchtprogramme in Menschenobhut bilden. Zusätzlich zur Probennahme ist geplant, die Populationsgrößen erneut zu erheben. Da vor allem die Populationen des Feuersalamanders oft sehr klein sind, können so weitere Rückgänge schnell entdeckt und eventuell noch aufgehalten werden.

Fördersumme: 3022 Euro

 

Kooperationspartner

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Abstracts der Projekte

1) Species´ distribution modeling and field survey on Iberolacerta horvathi (MÉHELY, 1904) in Austria (Karin Ernst)

Modellierung und Überprüfung potentieller Verbreitungsgebiete von Iberolacerta horvathi (MÉHELY, 1904) in Österreich - Vorhergesagte und realisierte Nischen unter Berücksichtigung topographischer, geologischer und bioklimatischer Parameter

I. horvathi Christoph Riegler

Das Ziel dieser Studie ist, neue Erkenntnisse über die bevorzugten ökologische Nischen und die aktuelle Verbreitung der Kroatischen Gebirgseidechse Iberolacerta horvathi (MÉHELY, 1904) innerhalb Österreichs zu gewinnen. Eine aussagekräftige Vorhersage wird mittels Modellierung der potentiellen Verbreitung (SDM – Species‘ distribution modeling) für Österreich getroffen und dargestellt. Für die korrelative Modellierung werden  artspezifische Habitat-Präferenzen unter Berücksichtigung geologischer, topografischer, bioklimatischer und ökologischer Variablen, basierend auf Daten bisher bekannter Fundorte implementiert und analysiert. Eine anschließende Freilandstudie an die vom Modell berechneten Standorte mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterer Vorkommen, soll schlussendlich zur Entdeckung noch unbekannter besetzter Nischen von I. horvathi in Österreich führen. Endresultat der Studie wird eine umfassende Art-Charakterisierung und eine Verbreitungskarte der potentiellen, als auch realisierten Habitate, entlang der nördlichen Verbreitungsgrenze der Kroatischen Gebirgseidechse in Österreich sein. Außerdem wird die Aussagekraft der Modellierung, die zukünftig auch als hilfreiche, flexible Methode in Bezug auf Artenschutz Anwendung finden könnte, getestet.

Fördersumme: 1.498 Euro

2) With the smell to success? The role of olfaction for locating deposition sites in a tadpole transporting frog (Eva Ringler & Andrius Pašukonis)

Erfolgreich geschnuppert? Die Rolle von Geruch beim Auffinden von geeigneten Wasserstellen während des Kaulquappentransportes

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Wenn Tiere nach mobilen Zielen suchen, wie etwa Fortpflanzungspartnern, Beute, oder anderen fluktuierenden Ressourcen, können sie nicht auf gelerntes Wissen zurückgreifen. Sie sollten stattdessen strategische Suchmuster entwickeln und/oder spezifischen Umweltreizen, so wie Geruch, folgen. Im vorliegenden Projekt wird die Bedeutung von olfaktorischen Reizen für das Auffinden von geeigneten Wasserstellen zur Abgabe von Kaulquappen bei der Pfeilgiftfroschart  Allobates femoralis untersucht. Zu diesem Zweck wurde ein Experiment geplant, in dem  zwei kürzlich entwickelte methodische Ansätze miteinander kombiniert werden: (1) das Versetzen von adulten Individuen in unbekannte Areale, und (2) die Applikation von Kaulquappen um Trageverhalten in adulten A. femoralis auszulösen. Im Speziellen wollen wir untersuchen, ob Geruch beim Auffinden von Wasserstellen in unbekannten Arealen behilflich sein kann. Die Ergebnisse werden wichtige Einblicke in Orientierungsmechanismen und Raumnutzungsstrategien bei tropischen Fröschen liefern. Die Antragsteller verwenden einen gezielten und neuartigen experimentellen Ansatz um zum ersten Mal in freier Wildbahn die Rolle von olfaktorischen Reizen für die räumliche Orientierung bei einem tropischen Frosch zu untersuchen.

Fördersumme: 3.200 Euro

Gesamt ÖFFH-Fördersumme: 4.698 Euro

Kooperationspartner

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